Prof. Dr. Sebastian Rödl, Ordinarius

SNF-Projekt "Perception, Thought, and Knowledge"

 
Wissenschaftliche Mitarbeiter
Matthew Boyle / Mattias Vogel (> Professuren > Theoretische Philosophie)
: Master of Letters (M.Litt) in Philosophy (St Andrews, Scotland), seit Oktober 2006 Assistent bei Professor Rödl an der Universität Basel
Magister in Philosophy (Chicago)

Link zum Projekt: http://www.projectdb.snf.ch//webforms/frameset.aspx (> Search / Applicant: Rödl)

Zusammenfassung
Wie ermöglicht die sinnliche Wahrnehmung objektives Wissen und den Weltbezug unseres Denkens? Mit dieser Frage wendet sich die zeitgenössische Wahrnehmungsphilosophie an die Kognitionswissenschaft, die Erkenntnistheorie orientiert ihre Theorien der Rechtfertigung an den neueren Bestätigungstheorien der Wissenschaftsphilosophie, und das philosophiehistorische Studium überlieferter Wahrnehmungstheorien öffnet sich zur intellectual history. In ihrem Versuch, die Grenzen der eigenen Disziplin zu überwinden, hat die zeitgenössische theoretische Philosophie ihre innere Einheit verloren. Und besonders die Wahrnehmungsphilosophie der Gegenwart – eines der lebendigsten Forschungsgebiete des letzten Jahrzehnts – läuft Gefahr, ihre eigentliche philosophische Bedeutung aus dem Blick zu verlieren, und zwar eben weil sie sich als eigenständige Disziplin neben Erkenntnistheorie und Philosophie des Geistes konstituiert.

Wir wollen versuchen, dieser Fragmentierung entgegenzuwirken. Wir sind der Überzeugung, dass gerade das Thema der Wahrnehmung geeignet ist, Anstrengungen aus den verschiedenen Bereichen der theoretischen Philosophie wie in einer Linse zu bündeln und wieder für einander fruchtbar zu machen, sind doch die systematischen Beziehungen zwischen diesen Bereichen ganz wesentlich vermittelt durch Konzeptionen sinnlicher Wahrnehmung. Obwohl sich heute die meisten Philosophen einig sind in ihrer Ablehnung der Wahrnehmungstheorien der frühen Neuzeit, denen von Descartes oder Hume im Besonderen, versuchen die wenigsten zu ergründen, wie stark diese Theorien noch die Gestalt ihrer eigenen Projekte bestimmen. Unsere Bemühung um eine Synthese von Erkenntnistheorie, Philosophie des Geistes und Wahrnehmungsphilosophie hat nur dann Aussicht auf Erfolg, so deshalb unsere Überzeugung, wenn wir im selben Zug die Perspektiven sowohl der frühneuzeitlichen Philosophie wie auch ihrer Kritik durch Immanuel Kant, wiedergewinnen und reflektieren, Perspektiven, die trotz aller Unterschiede in dem übereinkommen, was sie sich von einer Theorie der Wahrnehmung erhoffen: eine Erklärung der Möglichkeit objektiven Wissens und des Weltbezug unseres Denkens.

Abstract
How does perception make thought and knowledge about the world possible? In answering this question, philosophers of perception look to cognitive science, epistemologists develop theories of justification based on confirmation theory, and historians of philosophy draw on intellectual history. In its attempt to reach beyond the boundaries of the discipline, contemporary theoretical philosophy has become fragmented. Especially the current philosophical work on perception, one of this decade’s liveliest fields of research, risks losing focus of its central philosophical import precisely because it is constituting itself as a discipline of its own, alongside epistemology and philosophy of mind.

Instead of further contributing to the fragmentation, we conceive of perception as a lens through which efforts in a fragmented field of philosophical research may be integrated. Our project traces the systematic interconnections between these areas of theoretical philosophy, interconnections that in fact are mediated by conceptions of sense perception. Although many contemporary researchers are quick to agree that early modern philosophers such as Descartes and Hume share a mistaken conception of perception and its relation to thought and knowledge, there is little effort to comprehend how the groundbreaking ideas expounded and developed in this period actually shape the presuppositions of contemporary projects. Our effort to synthesize the perspectives of epistemology and the philosophy of perception, we therefore believe, has a chance to succeed only because we, at the same time, attempt to regain and re-evaluate the perspectives of early modern philosophy, and of Kant’s critical philosophy in particular, as well, perspectives which, despite of their differences, share what they hope to gain from a theory of perception: an account that will explain both the possibility of thought and of knowledge.